Bruder Leo

Kurz bevor sich der erste Pilgerzug am 24. April 2004 nach Lourdes in Bewegung setzte, starb unser Br. Leo Schwager an Knochenkrebs. Damit erfüllte sich, was er vorausgesagt hatte: „Ich werde meine Reise noch vor der euren antreten.“ In Lourdes wurde er 1952 bei der Krankensegnung in einem Augenblick von Multiple Sklerose im Endstadium geheilt.

Br. Leo kam am 19. Mai 1924 in Balterswil als siebtes von acht Kindern zur Welt. Sein Vater arbeitete als Sticker. Schon früh wollte er Missionar werden. Aber bereits im ersten Jahr am Missionsgymnasium verunglückte er mit dem Velo so schwer, dass ein Weiterstudium unmöglich wurde. So besuchte er die Landwirtschaftliche Schule und arbeitete bei Bauern. Schliesslich liess er sich noch als Koch ausbilden. In der Rekrutenschule traf ihn ein weiteres Unheil. Der Sturz vom Pferd hatte eine Gehirnerschütterung und einen Kieferbruch zur Folge. Doch noch im gleichen Jahr trat er in unser Kloster in Fribourg ein.

Bald zeigten sich auch dort erste gesundheitliche Störungen. Trotzdem durfte er am 8. Dezember 1947 die zeitlichen und genau drei Jahre später die ewigen Gelübde ablegen. Dann aber nahmen seine Kräfte rapide ab, so dass er am 28. April 1952 sterbenskrank die Reise nach Lourdes antrat. Am 30. April wurde Br. Leo Schwager beim eucharistischen Segen auf dem Rosenkranzplatz von Multiple Sklerose geheilt.

Dankbar für das Wunder, das der Herr an ihm vollbracht hatte, setzte sich Br. Leo während den nächsten 50 Jahren unermüdlich für die Lourdeswallfahrt ein. Zuerst diente er als Koch und dann lange Jahre im Pilgerbüro. Keine Arbeit war ihm zu viel. Mit ungezählten Menschen kam er in Kontakt und nahm Teil an ihrem Leid. Im Kloster wirkte er als Koch, später arbeitete er in der Spendenverwaltung. Die jungen Mitbrüder gewannen schnell Vertrauen zu ihm. Er versuchte sie in der Berufung zu stärken. Br. Leo war froh gelaunt, liess sich necken und war für einen Schabernack zu haben.

Trotz der Heilung waren die letzten 40 Jahre seines Lebens von Leiden gezeichnet. Alles ertrug er mit Geduld. So wurde sein Leben zu einem lebendigen Zeugnis, wie Bischof Ivo von St. Gallen im Kondolenzbrief schrieb: „Er hatte eine ganz besondere Sendung als Zeuge von Gottes heilender Macht auf die Fürbitte Mariens. Gott hat uns dadurch erfahrbar daran erinnert, dass er über Leben und Tod steht und nahe ist.“

Im Herbst 2013 erschien das Buch "Ein Leben mit Lourdes Br. Leo Schwager - das 57. Wunder von Lourdes". Mit verschiedenen Autoren erhalten die Leser einen Einblick in sein Leben und Wirken.

Heilungsbericht von Br. Leo

Br. Leo erinnert sich an den Tag seiner wunderbaren Heilung in Lourdes

„Dank sei Gott und unserer Mutter Maria, der «Unbefleckten Empfängnis», auf deren Fürbitte ich in Lourdes (F) vor 50 Jahren geheilt wurde. Ja, der 30. April 1952 war ein denkwürdiger Tag, an dem Gott mich seine Gegenwart in der heiligen Hostie hautnahe erfahren liess.

Am 28. April 1952 wurde ich in Fribourg als Multiple-Sklerose-Kranker, gelähmt, abgema-gert und der Sprache nicht mehr fähig in den Krankenzug der Deutsch-Rätoromanischen Schweiz nach Lourdes eingeladen. Nach fast 24 Stunden Bahnfahrt kamen wir am 29. April dort an. Wir Kranke wurden im Asyl Notre-Dame einquartiert. Im grossen Saal mit 50 Betten wurde ich ins erste Bett gelegt.

Am 30. April hatten wir unseren ersten Gottesdienst an der Erscheinungsgrotte, heilige Messe und Predigt. Nach diesem Gottesdienst wurde ich im Bad mit dem Quellwasser untergetaucht. Schon öfters sind dort Heilungen von Kranken geschehen, ich aber nahm meine Krankheit wieder mit hinaus. Nachmittags hatten wir Rosenkranz und Predigt an demselben Ort. Als die Kranken zur Grotte gefahren wurden, konnte ich auf die Frage, ob ich schon gebadet hätte, keine Antwort geben. So wurde ich zu den Kranken gestellt, die noch nicht gebadet hatten und kam so kurz vor 4 Uhr ein zweites Mal ins Bad. Hernach hatte ich grosse Schmerzen und wäre so gerne zurück ins Asyl gefahren worden. Weil ich nicht sprechen konnte, wurde ich mit den andern Kranken auf dem Rosenkranzplatz zur Krankensegnung aufgestellt. Dabei dachte ich: «In Gottes Namen, das wirst du auch noch aushalten.»

Als der Bischof vor mir mit der Monstranz den Segen spendete, spürte ich einen heftigen Schlag von Kopf bis Fuss und mein letzter Gedanke war: «Nun kannst du streben.» Plötzlich merkte ich, dass ich auf den Knien vor dem Bischof mit dem Allerheiligsten lag. Ich fühlte mich ganz gesund, keine Schmerzen mehr. Dem herbeigeeilten Arzt konnte ich spontan ant-worten: «Mir geht es gut, ich bin gesund.» Augenzeugen sagten aus, dass es mich wie eine Feder vom Krankenwagen auf den Boden geworfen habe, direkt auf die Knie. Die nachfolgende ärztliche Untersuchung ergab, dass nichts mehr von der Krankheit zu finden war.

1959 bestätigte das Internationale Ärztebüro, die plötzliche Heilung sei medizinisch nicht er-klärbar. 1960 wurde die Heilung auch kirchlich als Wunder anerkannt. Dadurch aber habe auch ich kein »Freibillet« für den Himmel erhalten. Für mein ewiges Heil muss ich Tag um Tag kämpfen. Für diese 50 Jahre möchte ich durch mein Zeugnis Gott und unserer Mutter Maria aus ganzem Herzen danken. Mein erstes Gebet nach der Heilung war: «In Demut bete ich dich verborgene Gottheit an, die Du den Schleier hier des Brotes aufgetan.» Dieses Gebet verrichte ich auch heute noch sehr oft. Jesus versprach: «Ich bleibe bei euch bis zum Ende der Welt.»
 
 
 

 

 

Abtei St. Otmarsberg - © Br. Bernhard Bisquolm   -    nach oben