Gäste

Das Kloster ist ein Bezirk der Stille und der Gottsuche, aber kein abgekapselter Ort. Es gibt das Gebet, in dem die Mönche stellvertretend vor Gott stehen, aber auch andere Aufgaben für die Welt von heute, welche die Mönche erfüllen. Vor allem soll ein Benediktinierkloster auch ein Ort der Gastfreundschaft, der Einkehr und Stille, des Gebetes und des geistlichen Gesprächs sein für die Gäste, an denen es in einem Kloster, wie Benedikt schreibt (vgl. RB 53,16), nie fehlen wird.

„Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus, denn ER wird sagen: »Ich war fremd, und ihr habt Mich aufgenommen.«“ RB 53,1. Benedikt wünscht, dass man bei der Aufnahme von Armen und Fremden Eifer und Sorge zeigt, weil besonders in ihnen Christus aufgenommen wird, während sich das Auftreten der Reichen ja von selbst Beachtung verschaffe (vgl. 53,15). Die Gäste werden einem Bruder anvertraut, „der von Gottesfurcht ganz durchdrungen ist“ (53,21). Die Gastfreundschaft, wie Benedikt sie versteht und seinen Mönchen eindringlich ans Herz legt, ist im Evangelium begründet, wie alles in der Regel des hl. Benedikt. Ein Benediktinerkloster ohne Gastflügel wäre deshalb undenkbar. Benedikt nennt diesen Trakt „Haus Gottes“. Der Gast wird als Geschenk für die Gemeinschaft angesehen, manchmal sogar als Bote Gottes, gekommen, um einer Gemeinschaft das Auge zu öffnen für Dinge, die sie nicht mehr sieht. Deshalb beteten die Mönche zur Zeit des hl. Benedikt bei der Aufnahme von Gästen: „Wir haben, o Gott, deine Barmherzigkeit aufgenommen inmitten deines Tempels.“ (Ps 48,10 = RB 53,14).

Die Begegnung mit dem Gast soll zur gegenseitigen Bereicherung werden. Die Klöster sind aufgerufen, allen ihre Tore zu öffnen und auf jedes berechtigtes Bedürfnis einzugehen, soweit sie es können. Als Gast kommt auch der, der eine Zeit der Stille, des Gebetes und der Neuorientierung sucht, eine Zeit, um sich selbst und Gott wieder zu finden. Aber Benedikt bleibt in allen Dingen Realist: Wenn ein Gast schon wie Christus aufgenommen werden soll, dann darf er doch nicht das Leben der Mönche durcheinander bringen. Gäste bedeuten für den klösterlichen Rhythmus oft auch eine natürliche Störung. Doch soll es dabei nie zu einem Durcheinander kommen. Durch Gebet und Achtsamkeit, sollen deshalb die Mönche genau unterscheiden, was die tiefsten Motive des Gastes sind. Die Nächstenliebe muss immer mit Mut und Verstand verbunden werden.

Auf dem Hintergrund der aktuellen Völkerwanderung und ihrer eigenen Problematik hat sich unsere Gemeinschaft entschlossen, einer Flüchtlingsfamilie eine Wohnmöglichkeit gratis zur Verfügung zu stellen. Doch der Hauptakzent unserer aktiven Flüchlingsarbeit sehen wir im Gebet und in der Hilfe vor Ort.

 

 

Zu Gast im Kloster

Manager im Kloster - Video

 

Abtei St. Otmarsberg - © Br. Bernhard Bisquolm   -    nach oben