Gemeinschaft

Der Konvent von St. Otmarsberg besteht zur Zeit aus 22 Mitbrüder im Alter zwischen 92 und 40 Jahren. Drei Patres wirken stationär als Missionare in Tansania und Kenia, Br. Andreas pendelt regelmässig zwischen Afrika und Europa.

Als Gemeinschaft vom St. Otmarsberg leben wir, wie es der hl. Benedikt sagt, „unter Regel und Abt“ (RB 1,2). Unser Ordensgründer entdeckte im christlichen Zusammenleben gerade jene Antwort auf die grosse Völkerwanderung des 6. Jahrhunderts, dessen Auswüchse er als Student in Rom kennen lernte. Deshalb soll eine klösterliche Gemeinschaft nicht bloss dem Einzelnen einer Kommunität Geborgenheit und Orientierung für sein Mensch- und Christseins geben, sondern die Kommunität als Ganzes war und ist berufen, darüber hinaus der Gesellschaft Stabilität bzw. Orientierung und „Zärtlichkeit“ zu verleihen. Dass diese Grundausrichtung heute nicht weniger aktuell ist, lässt uns die aktuelle Situation sofort erkennen.

Unser Ordensvater setzt bei der Ordnung gemeinschaftlichen Lebens bekanntlich auf drei Säulen: Gebet, Arbeit und Lesung. Sie prägen und strukturieren den benediktinischen Alltag dahingehend, dass ein massvolles Miteinander bestimmend ist. Schweres und Hartes wollte er vermeiden, damit keiner im Hause Gottes traurig wird (vgl. Prolog RB). Das allgemeine Wohl und die Bedürfnisse Einzelner behält der hl. Benedikt gleichzeitig im Auge, denn er wusste, dass Gott jeden persönlich in seine Nachfolge innerhalb einer brüderlichen Gemeinschaft ruft. Diesen Spannungsbogen hat er selber vor der Niederschrift seiner Regel erfahren.  Nicht umsonst spricht er in seinem Regelwerk von den verschiedenen, eine Gemeinschaft prägenden Charaktereigenschaften wie Rechtschaffene, Einsichtige, Boshafte, Hartherzige, Stolze und Ungehorsame (vgl. RB 2,27f). So ist das „Gott suchen“ in einer klösterlichen Gemeinschaft damals wie heute eine Herausforderung. Durch die Gnade Gottes, und eine aufrichtige Auseinandersetzung mit sich selber, wie auch mit dem Nächsten, war sie jedoch zu allen Zeiten ein erfüllender Weg, um „Christus überhaupt nichts vorzuziehen“ (RB 4,20).

Vorbild für die klösterliche Gemeinschaft ist dem hl. Benedikt  die Urgemeinde, wie die Apostel sie nach der Auferstehung Christi prägten. Alles ist allen gemeinsam. Ziel all seiner Anordnungen für ein gemeinschaftliches Zusammenleben ist, wie es das Kapitel 72 mit folgenden Worten auf den Punkt bringt: Christus „führe uns gemeinsam zum ewigen Leben“ (V. 12). Diesem Ideal stellen auch wir uns als klösterliche Gemeinschaft vom St. Otmarsberg jeden Tag neu, im Wissen, dass es eine menschliche Wirklichkeit gibt und braucht, um in der „Werkstatt“ Gottes (vgl. RB 4,78) den mystischen Leib Christi immer tiefer zu erfahren.

 

 

Abtei St. Otmarsberg - © Br. Bernhard Bisquolm   -    nach oben